Mehrwegbehälter zur Optimierung der Bargeldlogistik
Die Optimierung der Bargeldlogistik sollte bei der Ausgestaltung der Bargeldversorgung einer Zentralbank im Rahmen ihres öffentlichen Sorgeauftrags genügend Beachtung finden.
Die Zentralbank steht zwischen den Druckereien (Münzprägeanstalten) als zuständiges Organ für die Bestellung neuer Banknoten (und Münzen) entsprechend dem wirtschaftlichen Bedarf eines Landes, und den Geschäftsbanken und Sparkassen mit ihren täglichen Bestellungen von Banknoten und Münzen. Die Banken wiederum, geben in regelmäßigen Abständen ihre überschüssigen Bargeldbestände – zumindest die für den Umlauf ungeeigneten Banknoten – an ihre Zentralbank zurück. Zentralbanken sind damit in der Position, die gesamte Bargeldversorgungskette zu optimieren.
Während sich Zentralbanken traditionell auf das Banknotendesign und mit fortschreitender Automatisierung auf die Bargeldbearbeitung von Banknoten konzentriert haben, wurde der Intralogistik und der externen Bargeldverteilung vergleichsweise wenig Beachtung geschenkt. Diese Bereiche gewinnen heute zunehmend an Bedeutung, weil Industrieländer mit sinkenden Bargeldmengen und höheren Stückkosten konfrontiert werden. Schwellenländer dagegen müssen bei eher steigenden Bargeldmengen, mit Platzmangel, Fehlerquoten und Sicherheitsrisiken umgehen.
Verpackungsstufen für Banknoten
Ideale Verpackungseinheiten richten sich nach den Abmessungen einer Banknote. Diese werden in festgelegten Aggregationsstufen verpackt, in der Regel in Päckchen zu je 100 Stück und 10 Päckchen pro Paket/ Bündel von 1.000 Banknoten. Diese Verpackungseinheiten sind weltweiter Standard in Druckereien und bei Zentralbanken und werden in der Verpackungsstufe 1 weitgehend durch Banknotenbearbeitungssysteme automatisiert.
Der nächste Verpackungsschritt hin zu einer standardisierten Bargeldlogistik erfolgt auf der Ebene 2, bei der es um geeignete Behälter für die Lagerung und den Transport von Banknoten geht. Hier stehen sich jedoch widersprechende Interessen der am Bargeldkreislauf beteiligten Parteien entgegen, was zu einer komplexen Vielfalt von Verpackungsarten und -größen innerhalb jedes Bargeld-Ökosystems führt.
Während Druckereien ihren Verpackungsprozess häufig durch den Einsatz von Einwegkartons in Größen von 10 bis 50 Bündeln optimieren, verwenden viele Geschäftsbanken eine Vielzahl von Safebags, Taschen, Kisten, Behälter, typischerweise mit einem Fassungsvermögen von 2 bis 10 Bündeln. Darüber hinaus kommen verschiedene Geldautomatenkassetten mit Standardgrößen von 2.000 bis 2.500 Banknoten zum Einsatz, da sich Geldautomatenhersteller durch ihre Geldautomatenmodelle, aber auch durch die dazugehörigen Geldautomatenkassetten voneinander abheben wollen. Logistische Aspekte, die zu berücksichtigen in anderen Branchen selbstverständlich sind, werden von „professionellen Bargeldhändlern“ regelmäßig nicht beachtet.
Verpackungsstufen von Banknoten
Untersuchungen von Cash InfraPro in der Bargeldlogistik von Banken und Geld- und Wertdienstleitstern (WDL) haben aufgezeigt, dass diese in ihrem täglichen Betrieb nicht weniger als 15 bis 40 verschiedene Arten und Größen von Behältern verwalten müssen. Jede zusätzliche Variante erhöht die Komplexität und die Kosten unverhältnismäßig stark. Es überrascht deshalb nicht, wenn sich WDL‘s auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, nämlich den Safebag einigen. Dabei handelt es sich jedoch um ein Einwegprodukt und langfristig um eine teure Lösung, die weder ökologisch nachhaltig ist noch den Anforderungen für die Prozessautomatisierung genügt.
Optimierung des Bargeldkreislaufs durch den Einsatz von Mehrwegbehälter
Zentralbanken sind der wichtigste Vermittler in der Bargeldversorgungskette. Sie spielen eine Schlüsselrolle, wenn die Bargeldlogistik optimiert und effizienter gestaltet werden soll. Dies geschieht, indem sie Verpackungseinheiten und Lieferpläne festlegen. Jedoch betrachten Zentralbanken Bargeldprozesse noch immer überwiegend aus ihrer eigenen internen Prozessperspektive heraus; zur Optimierung des Bargeldkreislaufs ist es jedoch notwendig, dass Zentralbanken ebenso die externe Bargeldlogistik betrachten und ebenso die Anforderungen professioneller Bargeldakteure berücksichtigen.
Generell sollten wiederverwertbare, sogenannte Mehrwegbehältnisse, im Mittelpunkt des Optimierungsprozesses stehen. Mehrwegbehältnisse zirkulieren unter professionellen Bargeldakteuren und steigern so die Effizienz und Nachhaltigkeit. Behälterpoolsysteme können für Zentralbanken wirtschaftlich vorteilhaft sein, da es sich um ein geschlossenes Kreislaufsystem mit registrierten Kunden handelt; zudem lässt sich im Umlauf eine Auslastungsrate von 90% und mehr an befüllten Cash Boxen erreichen. Ein Vorteil, wenn ökonomische und ökologische Aspekte der Bargeldlogistik berücksichtigt werden.
Die Konstruktion und Materialauswahl der Cash Boxen (aus Polypropylen in PP/HDPE) sollte Formstabilität für eine robuste Handhabung gewährleisten, während sie gleichzeitig übereinander stapelbar und ineinander nestbar sein sollten. Diese Funktion ermöglicht eine Optimierung hinsichtlich der Lagerung leerer Kisten und der Rückgabe leerer Einheiten an die Druckerei, was zu weniger Transporten führt.
Eine gut durchdachte Wahl der Verpackung muss in Stufe 1 die Banknoten- und Bündelgrößen berücksichtigen; in Stufe 2 müssen Cash Boxen und der Transportwagen hinsichtlich ihrer Handhabung, Abmessungen und Sicherheitsfunktionen modular konzipiert sein. Dieses abgestimmte Designprinzip ermöglicht eine Skalierbarkeit über alle Aggregationsstufen hinweg, entlang der Bargeldversorgungskette von der Druckerei über die Zentralbank bis hin zum Endkunden. Dadurch lassen sich Banknoten effizienter lagern, kommissionieren und transportieren, wobei der Aufwand für das Umpacken auf ein Minimum reduziert wird.
Dieser Ansatz wird durch den Einsatz einer standardisierten Cash Box erreicht, die für die Aufnahme von 10 Bündeln aller gängigen Währungen und Nominalen ausgelegt ist und die Maße 500 x 400 x 220 mm aufweist. Die mit nur einer Sicherheitsplombe versehene Cash Box kann in den Bargeldkreislauf integriert werden, ohne dass zusätzliches Öffnen zur Inhaltskontrolle oder ein Umpacken erforderlich ist. Dies ermöglicht einen nahtlosen Übergang zwischen professionellen Bargeldakteuren, sofern die Unversehrtheit der Cash Box selbst und ihrer Plombe verifiziert werden. Die Reduzierung doppelter Prozessschritte führt zu einer höheren Effizienz bei der Abwicklung von Wareneingang und -versand, Bearbeitung und Lagerung. Die spezielle Konstruktion der Cash Box mit einem Verriegelungs- und Versiegelungssystem des Deckels mittels einer einzigen Plombe verhindert Manipulationen, beugt Transportschäden vor und schützt die Einheiten vor Umwelteinflüssen wie Feuchtigkeit oder Staub.
Optimierte Bargeldlogistik mit Cash Box und Transportwagen
Logistik auf Rädern
In den vergangenen Jahrzehnten haben die Zentralbanken ein palettenbasiertes Logistiksystem bevorzugt, das auf Massensendungen optimiert ist. Dieses System eignet sich gut für den Transport von Banknoten und Münzen zwischen den Produktionsstätten und den Zentralbanken, erfordert jedoch ein Umpacken in den Bargeldzentren der Zentralbanken sowohl auf Paletten- als auch auf Kartonebene. Während die Druckerei hauptsächlich Banknoten liefert, die in Karton- oder Holzkisten auf einer vollen Palette verpackt sind und mindestens 600.000 Banknoten einer einzigen Stückelung enthalten, bestehen die Bestellungen der Banken für ihre Filialen in der Regel aus kleineren Einheiten, oft weniger als 10.000 Banknoten pro Stückelung.
Ein fortschrittliches Logistikkonzept, das auf Transportwagen mit integrierten Rollen basiert, ermöglicht flexiblere und schnellere Abläufe im Cash Center und erleichtert den Transport zwischen professionellen Bargeldakteuren. Transportwagen, die mit 12 Cash Boxen und einer entsprechenden Kapazität von 120.000 Banknoten oder alternativ mit 28 Cash Trays (à 3000 Banknoten für die Banknotenbearbeitungssysteme) mit einer Kapazität von bis zu 84.000 Banknoten ausgestattet sind, haben sich aufgrund ihrer Größe und ihres Designs in der Bargeldlogistik bewährt. Sie ermöglichen den Bargeldbearbeitern direkten Zugriff auf jede einzelne Cash Box oder Cash Tray oder Geldautomatenkassette des Transportwagens. Dies bietet im Vergleich zur Palettenlogistik Effizienzvorteile bei der Kommissionierung im Cash Center. Darüber hinaus erfordert der Einsatz von Transportwagen keine zusätzlichen Qualifikationen für das Personal; im Gegensatz zum Transport von Paletten mit Gabelstaplern, für den ein Gabelstaplerführerschein vorgeschrieben ist. Die Konstruktion der Transportwagen – hinsichtlich Größe und Handhabung – erfordert weniger Platz zum Manövrieren in Cash Centern und Tresorräumen. Dies kann insbesondere in Bestandsgebäuden ein wichtiger Faktor sein, in denen der Platz oft begrenzt ist.
Transportwagen
Vier Fehler, die es in der Bargeldlogistik zu vermeiden gilt:
1. „Die Volumenfalle“ – die Wahl übergroßer Behälter
Standard-Industriebehälter sind für Banknoten immer zu groß und passen deshalb nicht optimal zu den Abmessungen der Banknotenbündel. Durch ihre nicht angepasste Größe wird die Packdichte verringert, es kommt zu unterschiedlichen Verpackungsmustern und die Sichtbarkeit durch Überwachungskameras wird eingeschränkt, das Fehlerrisiko wird erhöht.
Große Behälter begünstigen zudem eine Überladung durch die Mitarbeiter. Eine Box mit 20 oder mehr Bündeln wiegt bis zu 25 kg. Solche Gewichte entsprechen nicht den internationalen/ nationalen Arbeits- und Sicherheitsvorschriften. Dies gilt für Bargeldabläufe mit größeren Boxen, die mehr als 15 kg wiegen und deren Handhabung zusätzliche Hebevorrichtungen sowie weitere Arbeitsschutzmaßnahmen erfordern.
Empfehlung: Verwenden Sie die speziell für diesen Zweck entwickelte Cash Box mit einer maximalen Kapazität von 10 Bündeln. Eine Cash Box mit den Maßen von 500 × 400 × 220 mm begrenzt das Gesamtgewicht auf etwa 14 kg und eignet sich sowohl für die manuelle als auch für die automatisierte Handhabung.
2. Zulassung inkonsistenter Verpackungsmuster
Bei Behältern mit einer Höhe von mehr als 220 mm können Bündel in mehreren Lagen und Konfigurationen angeordnet werden. Auch wenn Mitarbeiter dies oft tun, um Leerräume zu reduzieren, beeinträchtigt dies den Prozessstandard, die Transparenz und Sicherheit.
Bündel sollten in einem einheitlichen, einlagigen Muster verpackt werden, idealerweise mit einem Packungsmuster von zwei Reihen à fünf Bündel, wobei alle Etiketten nach oben zeigen sollten. Die Bilder der Kameraüberwachung mit aufgezeichnetem Inhalt plus der dazugehörigen Information zu Cash Box-ID und Plomben-ID können dann im Lagerverwaltungssystem gespeichert werden. Die Kamerasysteme können damit durch den Abgleich mit dem richtigen Muster Verpackungsfehler identifizieren, dokumentieren und den weitern Prozess stoppen.
Bei größeren Industriebehälter sind eine mehrlagige Packung von Bündeln möglich, die untere Lage kann dadurch nicht überprüft werden, ohne die Box vollständig auszupacken, was die Inspektions- und Bearbeitungszeit verlängert.
3. Zulassung von „blinden Übergaben“
Das ausschließliche Scannen der Box-ID an den Übergabestellen gibt keinen Aufschluss darüber, ob das Siegel intakt ist oder ausgetauscht wurde. Manipulationen können daher unentdeckt bleiben, bis das Behältnis seinen Bestimmungsort erreicht.
Empfehlung: Es sollte vorgeschrieben werden, dass bei jeder Übergabe und jeder Bestandsprüfung sowohl die Box-ID als auch die Plomben-ID gescannt werden.Speziell für diesen Zweck entwickelte Cash Boxen sollten vorzugsweise mit nur einer gut zugänglichen Sicherheitsplombe versehen sein. Bei gängigen Industriebehältern sind zwei Plombe erforderlich, was die Kontrollen erschwert; insbesondere, wenn Behälter auf Paletten gestapelt sind, ist ein Abpacken erforderlich, um die hintere Plombe zu erreichen.
4. Einsatz von Gabelstaplern in Bereichen der Bargeldabwicklung
Der Paletten- und Stablerverkehr erhöht das Unfallrisiko, den Schulungsaufwand und die Infrastrukturkosten. Zudem entsteht unnötiger Handhabungsaufwand, da Behälter wiederholt nach Route, Kunde, Stückelung, Qualität oder Bestellung neu sortiert werden müssen.
Empfehlung: Beschränken Sie den Einsatz von Gabelstaplern und den Umgang mit Paletten auf die Wareneingangs- und Versandbereiche. Verwenden Sie in den Bargeldbearbeitungs- und Lagerbereichen robuste, speziell für diesen Zweck entwickelte Transportwagen für Cash Boxen, Cash Trays und Geldautomatenkassetten. Eine Box-Logistik auf Rädern mit Transportwagen erhöht die Sicherheit am Arbeitsplatz, ermöglicht den direkten Zugriff auf einzelne Cash Boxen und steigert die betriebliche Flexibilität und Effizienz.
Zukünftige Automatisierung in Cash Centern und Druckereien
In der modernen Logistik ist das Zusammenspiel zwischen Automatisierung und Größe der Cash Box der entscheidende Faktor für Effizienz, Raumnutzung, Geschwindigkeit und Durchsatz sowie für die Flexibilität beim Zugriff auf die Einheiten durch die Bediener und/oder den Roboter. Der aktuelle Stand der Technik ermöglicht eine effiziente und flexible Handhabung kleinerer Behälter, die auf Banknotengröße und deren Verpackung zugeschnitten sind, wie dies bei der Cash Box für 10 Bündel mit den Abmessungen 500 x 400 x 220 mm der Fall ist.
Automatisierungstechnologien, die sich perfekt für Cash Center und Druckereien einsetzen lassen, ermöglichen einen hohen Durchsatz von (kleineren) Behältern. Die verfügbaren Technologien unterstützen die Entwicklung automatisierter Tresorräume, sowie eine schnellere Auftragsbearbeitung bis zur Geldbereitstellung im Versand. Hierbei kommen geeignete Lagerverwaltungssysteme (WMS) und Handhabungssysteme wie automatisierte Lager- und Bereitstellungssysteme (ASRS), Transportwagen, Fördersysteme oder autonome mobile Roboter (AMR/AGV) zum Einsatz. Insgesamt erreicht man hierdurch eine Verbesserung des Serviceniveaus bei Zentralbanken und Geschäftsbanken oder Wertdienstleistern. Zentralbanken können kleinere Auftragsgrößen von Geschäftsbanken schneller und flexibler abwickeln, indem sie in ihren Cash Centern eine ausreichende Anzahl an Cash Boxen auf Basis „Logistik auf Rädern“ mit Transportwagen in Kombination mit geeigneter Automatisierungstechnik einsetzen.
Kontaktieren Sie uns gerne, wenn Sie weitere Informationen oder Konzepte für eine optimierte Bargeldlogistik benötigen.
Source: Aedler/ ALS Logistic Solutions, Bito-Lagertechnik, Diebold Nixdorf, Giesecke & Devrient Currency Technology, Glory Global Solutions, K. Hartwall, NCR Atleos, Schoeller Allibert